Was ist die Koatlackn?

Lorenz Jahn

Was genau ist die Koatlackn?

Als Koatlackn bezeichnete man ursprünglich die Sankt-Nikolaus-Gasse und in weiterer Folge den Innsbrucker Stadtteil Sankt Nikolaus als Ganzes. Der Name Koatlackn, von Kotlacke, leitet sich von der Tatsache ab, dass in frühreren Zeiten die Kanalisation fehlte und deshalb in diesem Bereich Abwässer zusammenliefen.

Sankt Nikolaus entstand 1165 unter dem Namen Anbruggen (von lat. Aenus, rätoroman. En für Inn , also frei: “an der Innbrücke”) als Marktgemeinde der Grafen von Andechs noch vor der Gründung von Innsbruck und erstreckt sich vom Nordufer der Innbrücke in Flußrichtung Osten bis zur Kettenbrücke und im Norden von ca. der Hälfte der Riedgasse Richtung Osten bis hinauf zum Alpenzoo. Erst 1180 kauften die Grafen von Andechs ein Grundstück auf der Südseite des Inns, wodurch Innsbruck gegründet werden konnte.

Die Sankt Nikolauser Innpromenade - by Lorenz Jahn

Somit war Sankt Nikolaus zur Vorstadt degradiert und ein zunehmend für die ärmere Bevölkerung bekannter Ort. Auch die nicht so angenehmeren Berufe, welche als Lärm- oder Geruchsbelästigung eingestuft waren, wurden vor die Stadtmauern und in die Koatlackn verlegt. Leprosenspital, Siechenhaus und Strafarbeitshaus umrahmten das Elend früherer Zeit.

Nichtsdestotrotz prägten die schönen Reihenhäuser von jeher das Stadtbild und durch den Bau der Sankt Nikolauser Kirche wurde dieser Stadtteil ebenfalls für schöne Seiten bekannt. Die dort ansässige Bevölkerung wurde in Literatur und Volksmund als grob und eigenbrödlerisch, aber auch als sehr warmherzig beschrieben und steht, durch die recht eigene Aussprache Pate für den Ur-Innsbrucker “Koatlackler” Dialekt.

Wir Koatlackler sind durchaus stolz auf unseren Namen und die Geschichte unseres Stadtteils und ich kann nur jedem raten sich diesen Stadtteil einmal etwas genauer anzusehen.

Aus der Literatur:

Paul Busson schreibt:

Walther von der Vogelweide - Namensspender für den Waltherpark - by Lorenz Jahn

Hin- und Heimweg führten über den Inn, durch eine übelberüchtigte Vorstadt mit rohem Volk; hier hatte der Pferdefleischhauer einen düstern, vergitterten Laden, der mir grauenhaft und geheimnisvoll schien. Aber der Weg durch die häßlichen Gassen war nicht lang, am Flusse lugte das eiserne Denkmal Walters von der Vogelweide aus grünen Anlagen; und hinter der Brücke waren die lieben, wohlbekannten Gassen und Pfeilergänge mit niedrigen Verkaufsgewölben, in denen es nach Zimt und Spaniol roch. Da warein ausgestopftes Krokodil, das an der Decke des Ladens hing, Deckelgläser mit leuchtenden Farbpulvern, Chromgelb, Krapprot und Indigo, silberweiße Schellackstangen, Pfeifenläden, in denen es köstlich nach Weichselholz duftete, und Papiergeschäfte mit Bilderbogen im Auslagefenster;

(Aus der Jugendzeit. München 1920)

Rudolf Greinz schreibt:

Die Häuserfassade in der Innstraße - by Lorenz Jahn

“Sie stammte von der andern Seite des Inns, von jenem Stadtteil, der eigentlich die älteste Ansiedelung ist und jetzt nur mehr eine Vorstadt von Innsbruck bildet. Zwischen dem breiten Flußbett und den sacht ansteigenden Höhen des Mittelgebirges der Nordkette liegt auf schmaler Ebene die Vorstadt Sankt Nikolaus. Teilweise lagern sich die

kleinen Häuschen schon an dem Grunde des Bergabhanges, und steile, enge Gäßchen, die in ihrer Bauart an jene eines Dorfes gemahnen, führen zum Berghang empor.
Es gibt seine Unterschiede in den Bezeichnungen dieses interessanten Stadtteils. Von der Innbrücke abwärts erstreckt sich eine breite Straße den Fluß entlang, an der zum Teil schöne Gartenanlagen einen grünen Saum bilden. Aus dieser Gegend war Frau Therese Tiefenbrunner. Hier hatte sie ihre ersten Jugendjahre verlebt. Und dem leichten, singenden Tonfall ihrer Aussprache merkte man die allernächste Nachbarschaft der „Kothlacken“ an.
Die sogenannte Kothlacken ist eine schmale Gasse in Sankt Nikolaus. Eigentlich ist sie eine Seitengasse der Innstraße und mündet auf den breiten Kirchplatz vor der schon etwas erhöht liegenden gotischen Kirche von Sankt Nikolaus. Die Bewohner, aber hauptsächlich die Bewohnerinnen dieser Gasse zeichnen sich durch ihren scharfen und gesunden Mutterwitz aus.

Es ist keine ansprechende Gegend. Die alten Häuser dieser Gasse machen vielfach einen verlotterten Eindruck. Schmutzige, unreinlich gekleidete Frauen und Kinder stehen und gehen da herum. Oft ertönt auch schrilles Geschrei von zankenden und keifenden Weibern; denn die Kothlacknerinnen sind in dem Ruf, recht unverträglich zu sein. Wer sie näher kennt, weiß, daß sie besser sind als ihr Ruf. Gutherzig, hilfsbereit und ehrlich.”

(Die Stadt am Inn. Leipzig 1917)

Adolf Pichler schreibt:

Kirche von Sankt Nikolaus mit Blick auf die Nordkette - by Lorenz Jahn

“23. Dezember. Ich sprach mit dem Einnehmer am Kettensteg über den neuen Kirchenbau von Sanct Nicolaus. Er erzählte mir, daß er lang Kirchpropst gewesen: „Gegen Ende der dreißiger Jahre sei es sehr schlecht gestanden. Der Pfarrer habe alles vernachlässigt, überall Staub und Spinnweben, ja die Mäuse seien sogar in den Tabernakel gekrochen und hätten das Allerheiligste gefressen.“ – Und der liebe Herrgott wehrte sich nicht dagegen! Mir fiel Tertullian ein, der die Heiden verspottet, daß sich ihren Göttern von Holz und Stein die Vögel auf den Kopf setzen und sie beschmutzen.”

(Tagebuch 1883. In: Aus den Tagebüchern 1850–1899. München; Leipzig 1905)

Diese Auszüge wurden dankenswerter Weise in der Literatur-Land-Karte von Iris Kathan und Christiane Oberthanner zusammengeführt.

  • R Leimgruber

    es gibt auch St. Nikolauser die hier aufgewachsen aufgewachsen sind wie z.B: der akademische Bildhauer und Maler Prof. Hans Andre,sowie Schauspieler Franz Trager,Brenner Hans u..m

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